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1909: Maybach gründet ein eigenes Unternehmen

  • Entstanden als Tochterunternehmen der Luftschiffbau Zeppelin GmbH
  • Die Automobilproduktion in Friedrichshafen beginnt 1921
  • Der Name „Zeppelin“ wird durch Maybach zum Synonym für luxuriöse Fahrzeuge mit innovativer Technik

Ob Zeppelin Typ DS 8 oder Typ SW 42: Luxusautomobile der Marke Maybach gehören zwischen den Weltkriegen zum Besten, das die deutsche Automobilindustrie zu bieten hat. Gebaut werden diese Fahrzeuge von der Maybach-Motorenbau GmbH, die am 23. März 1909 als Luftfahrzeug-Motorenbau GmbH in Bissingen gegründet wird. Maybach-Automobile rangieren in der Gunst des Publikums auf gleicher Höhe mit repräsentativen Fahrzeugen wie dem Mercedes-Benz 770 „Großer Mercedes“ und mit Automobilen beispielsweise von Rolls-Royce, Bentley, Isotta-Fraschini und anderen Luxusmarken. Heute steht das legendäre Maybach-Markenzeichen, ein doppeltes M im Bogendreieck, wieder für Luxusfahrzeuge auf höchstem technischen Niveau: Seit 2002 entstehen in der Maybach-Manufaktur, die zur Daimler AG gehört, erneut exklusive Automobile der Traditionsmarke.

Die Verbindung der Namen Daimler und Maybach geht zurück bis in die Pionierzeit des Automobilbaus. Wilhelm Maybach (1846 bis 1929), Konstrukteur des im Jahr 1901 erscheinenden ersten „Mercedes“, ist der wohl wichtigste Weggefährte Gottlieb Daimlers. Seine innovativen Ideen machen die Entwicklung des schnell laufenden Verbrennungsmotors möglich, der 1884 debütiert. In den Folgejahren entsinnt er zahlreiche Detaillösungen für die Reife des Kraftwagens von der Motorkutsche bis zum modernen Automobil.

Flugmotoren vom Bodensee

Wilhelm Maybachs Stellung in der Daimler-Motoren-Gesellschaft (DMG) ist jedoch nach dem Tod des Firmengründers im Jahr 1900 geschwächt. Von Intrigen verfolgt, verlässt der „König der Konstrukteure“, wie er respektvoll genannt wird, 1907 die DMG und gründet am 23. März 1909 die Luftfahrzeug-Motorenbau GmbH in Bissingen (LMG), um Antriebe für die Luftschiffe des Grafen Zeppelin zu bauen. Technischer Leiter des jungen Unternehmens wird Maybachs Sohn Karl (1879 bis 1960), der die Luftschiff-Motoren auch selbst konstruiert.

Karl Maybach, dessen Innovationen in der Zukunft auch die Automobile und anderen Produkte der Marke Maybach prägen werden, entscheidet sich dabei zunächst für reparaturfreundliche Reihensechszylindermaschinen, die bei Funktionsfehlern auch während der Fahrt mit Bordwerkzeug wieder zum Laufen gebracht werden können. Karl Maybach trägt die technische Verantwortung im Unternehmen weitgehend alleine, aber Vater und Sohn sind beteiligt. Wichtigster Anteilseigner ist die Luftschiffbau Zeppelin GmbH.

Wie stark die Maybachs die Entwicklung des Unternehmens prägen, spiegelt sich in den Namenswechseln wider: Beim Umzug nach Friedrichshafen im Jahre 1912 heißt die Zeppelin-Tochter schlicht Motorenbau GmbH, doch 1918 folgt die Umbenennung in Maybach-Motorenbau GmbH.

Der Automobilvisionär Karl Maybach

Als das Unternehmen 1918 offiziell den Namen Maybach erhält, ist es längst der Sohn Karl Maybach, dessen Entwicklungen die Marke repräsentieren. Sein Vater Wilhelm hat Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts mit zahlreichen Erfindungen maßgeblich dazu beigetragen, das Automobil zur Serienreife zu entwickeln. Sein ältester Sohn Karl folgt ihm in dieser Rolle als ebenbürtiger Konstrukteur im 20. Jahrhundert.

Schon als Kind kommt der am 6. Juli 1879 geborene Sohn von Wilhelm und Bertha Maybach mit dem Maschinenbau in Berührung: In Deutz, wo Karl geboren wird, arbeitet sein Vater als Chefkonstrukteur der Gasmotoren-Fabrik von Nikolaus Otto. Weil die Wohnung der Maybachs nahe dem Werk gelegen ist, entdeckt Karl die Konstruktionsbüros und Werkshallen bald als faszinierendes Reich.

Von Deutz über Cannstatt nach Lausanne und Oxford

Als Gottlieb Daimler im Jahre 1882 Deutz verlässt, folgt ihm Wilhelm Maybach mit der Familie nach Cannstatt. Die beiden jüngeren Geschwister Karls, Adolf (1884) und Emma (1892) werden hier geboren. In Cannstatt besucht Karl Maybach bis 1897 die Realschule, während sein Vater das technische Interesse des Sohnes konsequent fördert. Entsprechend seiner Neigung zum Maschinen- und Kraftfahrzeugbau absolviert Karl von 1897 bis 1900 Berufspraktika bei der Daimler-Motoren-Gesellschaft und der Maschinenfabrik Esslingen. Danach nimmt er ein Maschinenbau-Studium an der Königlichen Baugewerkschule in Stuttgart auf, das er 1902 mit dem Diplom abschließt.

Es folgen Anstellungen als Konstrukteur bei Ludwig Loewe & Co. in Berlin und bei der Centralstelle wissenschaftlich-technischer Untersuchungen in Potsdam. Schließlich reist Maybach nach Frankreich und England, um in Lausanne und Oxford seine fachlichen Kenntnisse zu erweitern und den Umgang mit den Fremdsprachen zu üben. Nach seiner Rückkehr arbeitet Karl schließlich von 1904 bis 1906 als Versuchsingenieur und Assistent seines Vaters bei der Daimler-Motoren-Gesellschaft.

Erfinden für die Familienehre

Maybachs Arbeit für die DMG bietet große Chancen. Zugleich muss es aber auch erleben, wie sein Vater immer stärker unter den Intrigen der Geschäftsführung zu leiden hat. Die Verantwortlichkeit des Konstrukteurs wird beschnitten, seine Verdienste werden infrage gestellt und neue Entwicklungen kritisiert. Zu diesen neuen Entwicklungen gehört der von 1905 bis 1906 entstehende Daimler-Rennwagen mit Sechszylindermotor. Dieses Fahrzeug bleibt das einzige Automobil, das Wilhelm und Karl Maybach gemeinsam entwickeln. Die späteren Automobile der Marke Maybach sind alleine das Werk Karl Maybachs. Allerdings versteht dieser seine Arbeit stets auch als Beitrag zur Würdigung und Rehabilitation seines Vaters.

1906 wechselt Karl noch einmal den Arbeitgeber: Er geht nach Saint-Ouen in Frankreich (nahe Paris), zur Societé d’Atelier de Construction de Comte Henri de Lavalette, um einen 150 PS (110 kW) starken Automobilmotor zu entwickeln. Stets steht er dabei durch Briefe im fachlichen Austausch mit dem Vater. Die beiden überlegen nach dem Ausscheiden Wilhelm Maybachs aus der DMG, in Kooperation mit den Opel-Werken in Rüsselsheim ein neues Automobil zu entwerfen. Doch dann begeistert sich Maybach senior für die Luftschiffe des Grafen Zeppelin. Sein Sohn übernimmt zum 1. November 1909 die technische Leitung der auf Anregung des Vaters gegründete Luftfahrzeug-Motorenbau GmbH Bissingen (LMG). Beide Maybachs werden Anteilseigner des neuen Unternehmens.

1912: Umzug an den Bodensee

Das in Bissingen gegründete Unternehmen, das mittlerweile als Motorenbau GmbH firmiert, zieht 1912 nach Friedrichshafen um, in die Nähe der Zeppelin-Werft. Im Mai 1918 erhält es den Namen Maybach-Motorenbau, Firmenzeichen wird das Doppel-M im Bogendreieck. Die Konzentration auf Flugmotoren muss das Unternehmen nach dem Ende des Ersten Weltkriegs aufgeben, denn der Vertrag von Versailles verbietet deutschen Firmen den Bau solcher Maschinen.

Als Reaktion auf diese grundlegende Einschränkung beginnt Karl Maybach 1919 mit der Entwicklung von kompakten, schnell laufenden Dieselmotoren für vielfältige Einsatzgebiete sowie von Ottomotoren für Personenwagen. Den ersten schnell laufenden Dieselmotor für die Eisenbahn stellt Maybach 1924 vor. Diese Aggregate werden sukkzessive weiterentwickelt, unter anderem für die ersten Schnelltriebwagen der Deutschen Reichsbahn wie zum Beispiel den „Fliegenden Hamburger“. Die Motoren werden aber auch in Schiffe eingebaut. Antriebsmaschinen für Personenwagen plant die Maybach-Motorenbau GmbH (so heißt das Unternehmen seit dem Jahr 1918) an verschiedene Autohersteller in Deutschland und dem Ausland zu verkaufen – dem Geschäftsmodell folgend, das früher bei Antrieben für Luftschiffe und Flugzeuge angewendet worden ist.

1919: Versuchswagen als Keimzelle des Baus von Luxusautomobilen

Erster Maybach-Automobilmotor ist der seitengesteuerte Sechszylindermotor Typ W 1, der 46 PS (34 kW) bei 2000/min leistet. Um ihn zu erproben, bauen die Maybach-Techniker im Jahr 1919 einen Versuchswagen, der ebenfalls die Typbezeichnung W 1 erhält. Das ist historisch gesehen der Beginn einer Automobilproduktion der Marke Maybach – wenngleich die Friedrichshafener zu diesem Zeitpunkt noch keinen eigenständigen Kraftwagenbau planen. Als nächstes Entwicklungsprojekt entsteht der vom W 1 abgeleitete Motor Typ W 2 mit 5,7 Liter Hubraum, der bereits 70 PS (52 kW) bei 2200/min leistet.

Bei der Langzeiterprobung in einem Fahrgestell der niederländischen Marke Sypker absolviert der W 2 im Jahr 1920 eine 37 Tage dauernde Rekordfahrt über 30 000 Kilometer. Maybach schließt nach diesem außergewöhnlichen Zuverlässigkeitsbeweis des Aggregats einen Vertrag mit dem niederländischen Automobilhersteller Trompenburg, der die Spyker-Automobile baut. Maybach soll insgesamt 1000 Motoren des Typs W 2 liefern, um den Spyker Typ 30/40 (C4) anzutreiben. Doch der Hersteller gerät in wirtschaftliche Schwierigkeiten und nimmt lediglich 150 Stück der bestellten Aggregate ab, die zudem nicht alle bezahlt werden.

1921: Maybach Typ 22/70 PS (W 3)

Karl Maybach entschließt sich, nun doch eigene Automobile zu bauen. So sollen die hohen Produktionskapazitäten ausgelastet werden, die wegen des Ausfalls der niederländischen Bestellung brachliegen. Bereits im September 1921 zeigt die neue Automobilmarke ihren ersten Serienwagen auf der Automobilausstellung in Berlin – den Maybach W 3. Angetrieben wird das fünf Meter lange und bis zu 110 km/h schnelle Fahrzeug von dem 70 PS (52 kW) starken Reihensechszylindermotor W 2. Zu den innovativen Merkmalen des Typ W 3 gehören eine Vierrad-Bremsanlage mit mechanischem Bremskraft-Ausgleich, sowie ein Zweiganggetriebe ohne Schaltung. Zwischen den Gängen wird mittels Durchdrücken des Anlasser-Fußhebels gewechselt.

Dieser auf einfache Bedienung und damit hohe Fahrsicherheit ausgelegte Wagen richtet sich an die Zielgruppe der „Herrenfahrer“ – so schreibt der Hersteller selbst in seiner Betriebsanleitung. Mit diesem Begriff ist jene Gruppe von Männern und Frauen gemeint, die ihr Automobil selbst steuern, statt sich von einem Chauffeur fahren zu lassen. Ihnen bietet Maybach ein technisch in sich schlüssiges Konzept, in dessen Zentrum der Motor steht: „Die außerordentliche Elastizität des Motors in Verbindung mit der wirksamen Vierradbremse gestattet die Erreichung hoher Durchschnitts-Reisegeschwindigkeiten, ohne mit übertrieben hohen Durchschnittsgeschwindigkeiten fahren zu müssen“, heißt es in der Betriebsanleitung.

Wie viele andere Automobilhersteller jener Zeit sieht auch Maybach die Kernkompetenz seines Unternehmens alleine in der Technik. Den Aufbau der Karosserie auf das Fahrgestell überlässt der Hersteller aus Friedrichshafen deshalb unabhängigen Spezialbetrieben wie etwa Auer (Cannstatt), Josef Neuss (Berlin), Franz Papler & Sohn (Köln) und – sehr häufig – Spohn (Ravensburg). Der Maybach Typ 22/70 PS, wie der W 3 offiziell nach Steuer-PS und tatsächlicher Leistung heißt, wird von 1921 bis 1928 in insgesamt rund 300 Exemplaren gebaut. Seine Käufer schätzen die Reisequalitäten des Wagens, einige setzen ihn aber auch erfolgreich im Motorsport ein.

1926: Maybach Typ 27/120 PS (W 5)

Als zweites Modell neben dem Typ 22/70 PS stellt Maybach 1926 den Typ 27/120 PS mit einem neu entwickelten 7-Liter-Reihensechszylindermotor vor. Die interne Bezeichnung folgt nicht dem System des Typ W 3 mit dem Motor Typ W 2, sondern sowohl Fahrzeug als auch Aggregat tragen nun das Kürzel W 5. Dieses Fahrzeug lässt bereits den Anspruch Maybachs auf eine Spitzenposition unter den europäischen Herstellern von Luxusautomobilen erkennen: „Maybach war unstreitig der Höhepunkt der Ausstellung“ schreibt die Fachzeitschrift „Motor“ im Jahr 1926 über die Präsentation des Typ W 5 auf dem Automobilsalon von Genf.

Zunächst wird auch der neue Maybach mit dem bereits aus dem Typ W 3 bekannten Zweiganggetriebe ohne Schaltung angeboten. 1928 ergänzt im Typ W 5 SG ein Schnellganggetriebe mit Klauenschaltung die beiden Gänge des Planetengetriebes. Diese Lösung führt effektiv zu vier Vorwärtsgängen, kommt jedoch weiterhin ohne Kupplung aus. Nun kann der Typ 27/120 PS auf längeren Strecken komfortabel mit einer Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h gefahren werden.

Andere Hersteller verwenden das Maybach-Schnellganggetriebe ebenfalls in ihren Automobilen – so auch Mercedes-Benz in den Typen 500 K, 540 K, 580 K und 770 „Großer Mercedes“.

1929: Maybach Typ 12

Gerade einmal acht Jahre liegt die Präsentation des Sechszylinderwagens vom Typ W 3 zurück, als Maybach Ende 1929 das erste Zwölfzylindermodell der Marke vorstellt – eine Sensation im deutschen Automobilmarkt. Der Typ 12 wird von einem 150 PS (112 kW) starken V12-Motor mit sieben Liter Hubraum angetrieben. Die Zylinderbänke stehen im Winkel von 60 Grad zueinander. In die Konstruktion des Motors sind auch Erfahrungen aus dem Bau der Luftschiffantriebe eingeflossen.

Als „Großklasse-Wagen“ bewirbt Maybach das neue Modell, dessen Kühler selbstbewusst eine golden umkränzte „12“ unter dem Markenzeichen zeigt. Am Fahrwerk des neuen Spitzenmodells ändert Karl Maybach allerdings nur wenig gegenüber dem Vorgänger. Vor allem liegt der Typ 12 etwas niedriger, was ihm ein gestrecktes Aussehen verleiht.

Die Werbung positioniert den Maybach-Zwölfzylinderwagen als absolutes Spitzenmodell für Käufer aus der Führung von Wirtschaftsunternehmen und der Spitzenpolitik. Dem entspricht auch der Preis des für die damalige Zeit technisch opulent ausgestatteten Wagens: Er liegt auf dem Niveau der großen Kompressor-Automobile von Mercedes-Benz.

1930: Zeppeline für die Straße

Ein Jahr nach der Präsentation des ersten V12-Typs setzt Maybach in diesem Segment einen weiteren Glanzpunkt. Der Maybach Typ Zeppelin DS 7 (Doppel-Sechs verweist auf die Motorkonstruktion) ist fertig karossiert ein Luxuswagen mit rund drei Tonnen Gewicht, der eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 150 km/h erreicht. Schwerpunkte haben seine Entwickler auf Leistung und auf Komfort gelegt. Ein Beispiel dafür ist das Doppelschnellganggetriebe mit Saugdruckschaltung – eine für diese Epoche außerordentlich ergonomische Weise des Gangwechsels.

Zeppelin – dieser Name steht für die Luftschiffe des Grafen Zeppelin und damit zugleich auch für deutsche Spitzentechnologie von weltweitem Rang. Maybach hat sich diese Bezeichnung mit Bedacht für die Top-Modelle des Fahrzeugangebots seiner Marke ausgesucht. Das zeugt von Geschick in der Vermarktung der Marke, aber auch vom Selbstvertrauen des Ingenieurs in die eigenen Entwürfe.

Den Namen des Luftschiffs trägt neben dem 7-Liter-Wagen auch ein zweiter Typ, der von 1930 an gebaut wird: Der Motor des Maybach Zeppelin DS 8 hat einen auf 7922 Kubikzentimeter vergrößerten Hubraum und leistet spektakuläre 200 PS (149 kW). Von 1938 an ist er auch mit einem Siebengang-Schaltgetriebe erhältlich, dessen Gänge am Lenkrad vorgewählt und durch Betätigen des Kupplungspedals eingelegt werden.

Auf der Basis der Zeppelin-Fahrgestelle entstehen faszinierende Automobile wie jener Stromlinienwagen vom Typ Zeppelin DS 8, den Spohn eingekleidet hat und der von Maybach 1933 auf der Automobilausstellung in Berlin gezeigt wird. Insgesamt entstehen rund 200 Zwölfzylinderwagen der Modelle Typ 12 (1929 bis 1931) sowie Typ Zeppelin DS 7 (1930 bis 1933) und Typ Zeppelin DS 8 (1930 bis 1939).

1931: Maybach Typ W 6

Neben das Zwölfzylinder-Spitzenmodell Typ 12 stellt Maybach im Jahr 1931 einen diesem äußerlich weitgehend ähnelnden Reisewagen, den der bewährte Sechszylindermotor W 5 antreibt. Dieser Typ W 6 wird bis 1933 gebaut, dann löst ihn der W 6 DSG mit Doppelschnellganggetriebe ab (1934 bis 1935). Von beiden Typen zusammen produziert Maybach rund 100 Fahrzeuge.

Einem moderneren Konzept folgt der Typ DSH. Das Kürzel steht für Doppel-Sechs-Halbe und symbolisiert einen neu entwickelten Sechszylindermotor, der so in die Nähe der V12-Maschinen gerückt wird. Das Aggregat mit 5,2 Liter Hubraum leistet 130 PS (97 kW) bei 3200/min und ist mit Doppelschnellganggetriebe ausgerüstet. Von diesem Fahrzeug entstehen von 1934 bis 1937 etwa 40 Exemplare.

1935: Die Ära der Schwingachswagen beginnt

Während der DSH konstruktiv mit den Fahrzeugen der vergangenen Jahre verwandt ist, eröffnet Maybach mit dem Typ SW 35 (1935) eine neue Epoche in der jungen Geschichte dieser Automobilmarke. Der Schwingachswagen (SW) mit Einzelradaufhängung wird von dem neu entwickelten 3,5-Liter-Sechszylindermotor HL 35 angetrieben, der 140 PS (104 kW) bei 4500/min liefert.

Mit dem gleichen modernen Fahrwerkskonzept wartet der 1936 vorgestellte und bis 1939 gebaute Typ SW 38 auf. Für seinen Motor HL 38 mit nun 3,8 Liter Hubraum gibt Maybach ebenfalls eine Leistung von 140 PS (104 kW) an. Dabei verarbeitet der Sechszylinder aber auch qualitativ weniger guten Treibstoff ohne Einbußen.

Von 1940 bis 1941 baut Maybach schließlich den Schwingachswagen SW 42 mit 140-PS-Sechszylindermotor, dessen Hubraum mittlerweile auf 4,2 Liter angewachsen ist. Unter den rund 900 Fahrzeugen der SW-Familie mit ihren von verschiedenen Karosseriebauern verwirklichten Aufbauten stechen zwei SW 42 heraus: Sie werden nach dem Zweiten Weltkrieg in moderner Pontonform als repräsentative Einzelstücke neu karossiert. Diese Solitäre dienen der Maybach-Motorenbau GmbH als Direktionsfahrzeuge.

Das Ende des Automobilbaus

Insgesamt entstehen bei der Maybach-Motorenbau GmbH in Friedrichshafen etwa 1800 Fahrzeuge. Mit dem Auslaufen des Typ SW 42 mitten im Zweiten Weltkrieg endet die gerade erst zwanzigjährige Geschichte der Luxus-Automobilmarke Maybach vorerst.

Nach Kriegsende – rund 70 Prozent der Gebäude sind durch Bomben zerstört – wird ein Teil der noch erhaltenen Anlagen von der französischen Besatzungsmacht demontiert. Karl Maybach arbeitet von 1947 bis 1951 im Auftrag der französischen Regierung in der Nähe von Paris an einem Panzermotor.

Die Maybach-Motorenbau GmbH in Friedrichshafen nimmt 1949 die Entwicklung und den Bau zunächst von Großdieselmotoren für Schiff und Bahn wieder auf. Nach mehreren Veränderungen der Eigentumsverhältnisse von 1952 bis 1960 werden im Jahr 1966 die Maybach-Motorenbau GmbH und die Mercedes-Benz Motorenbau GmbH zur Maybach Mercedes-Benz Motorenbau GmbH zusammengeschlossen. 1969 wird das Unternehmen in Motoren- und Turbinen-Union Friedrichshafen (MTU) umbenannt. Damit führen die Motorenbauer den Namen Maybach nicht mehr im Namen. Von 1996 an ist die MTU Friedrichshafen, seit 1989 Teil der neuen Deutschen Areospace, direkt der Daimler-Benz AG zugeordnet. 2005 wird MTU verkauft, seit 2006 arbeitet die MTU-Gruppe unter dem neuen Unternehmensnamen Tognum. Der Geschäftsbereich „Engines“ der Tognum AG befindet sich in Friedrichshafen am Maybachplatz 1.

Mit ihren beiden Geschäftsbereichen „Engines“ und „Onsite Energy & Components“ gehört die Tognum-Gruppe zu den weltweit führenden Anbietern von Motoren, Antriebssystemen und dezentralen Energieanlagen. Basis hierfür sind Dieselmotoren mit Leistungen bis 9100 Kilowatt, Gasmotoren bis 2000 Kilowatt, Brennstoffzellen bis 363 Kilowatt und Gasturbinen bis 50 000 Kilowatt. ,Das Produktportfolio von „Engines“ umfasst MTU-Motoren und Antriebssysteme für Schiffe, schwere Land- und Schienenfahrzeuge, Militärfahrzeuge sowie für die Öl- und Gasindustrie. Das Portfolio von „Onsite Energy & Components“ besteht aus dezentralen Energieanlagen der Marke MTU Onsite Energy, Einspritzsystemen von L’Orange sowie Gelenkwellen von Rotorion. Die Energieanlagen umfassen Dieselaggregate für Notstrom, Grund- und Spitzenlast sowie Blockheizkraftwerke zur Kraft-Wärme-Kopplung auf Basis von Gasmotoren, Brennstoffzellen oder Gasturbinen.

Die Automobilgeschichte von Maybach jedoch erweckt Mercedes-Benz wieder zum Leben: 1997 interpretiert die Stuttgarter Marke mit der Studie „Maybach“ – ein repräsentatives Luxusfahrzeug – auf der Tokio Motor Show die Tradition der außergewöhnlichen Automobile aus Friedrichshafen neu. Bald darauf fällt die Entscheidung, Maybach als eigenständige Marke innerhalb von Mercedes-Benz Cars wieder aufleben zu lassen. 2002 werden die ersten neuen Maybach-Modelle Typ 57 und Typ 62 präsentiert: Automobile der Extraklasse, die ihren großen Namen zu Recht tragen.