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Von der Frühzeit bis heute: Offene Personenwagen von Mercedes-Benz

  • Von A bis F: Vielfalt der Cabriolet-Versionen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts
  • Offene Fahrzeuge mit hoher Fahrkultur sind bis heute Bestandteil des Modellportfolios

Das Cabriolet zelebriert den Genuss des Fahrens wie kaum eine andere Karosserieform. Wenn bei offenem Verdeck der Fahrtwind die Passagiere umspielt, ist die Fortbewegung im Auto eine elegante und exklusive Freiheit. Zumindest seit den 1920er Jahren sieht man das so. Davor dominieren offene Aufbauten die gesamte Automobillandschaft.

Das Cabriolet ist nicht so rasant wie der ihm verwandte Sportwagentyp Roadster, aber offener und luftiger als die Cabrio-Limousine mit ihren bis zur Dachlinie reichenden Türrahmen. Als ein hinter der Windschutzscheibe rundum offener Wagen mit versenkbaren Seitenscheiben, dessen Passagierraum durch ein stabiles Klappverdeck gegen die Witterung geschützt werden kann – in dieser Form hat sich die auf Deutsch „Kabriolett“ geschriebene Karosserievariante einen markanten Platz im Stammbaum der Pkw-Evolution gesichert.


Großes Cabriolet: Mercedes-Benz Typ Nürburg Cabriolet D von 1929.
Foto: Daimler AG

Dieser Familienzweig der Kraftwagen hat bei Mercedes-Benz immer wieder besondere Fahrzeuge hervorgebracht: Von den frühen Cabriolets der 1920er Jahre über das Cabriolet B des Typ 170 V (Baureihe W 136) aus dem Jahr 1936 bis zum fein gezeichneten Stoffdach-Cabriolet der E-Klasse, das Ende März 2010 in den Handel kommt.

Kapriolen mit dem Cabriolet

Wie viele andere Karosserieformen auch stammt das Konzept des Cabriolets noch aus dem Zeitalter der Kutsche: „Cabriolet“ hieß ein leichter, offener Wagen, der von zwei Pferden gezogen wurde. Dieses Fahrzeug blieb vor allem Genussfahrten bei schönem Wetter vorbehalten. Daher stammt auch sein Name: Das Verb „cabrioler“ steht im Französischen für „Luftsprünge machen“, „Kapriolen schlagen“. Das offene Fahren als Garant für gute Laune braucht jedoch in den Anfangsjahren des Automobils noch keine spezielle Karosserieform. Denn die Zeit zwischen 1886 und 1920 ist sowieso von offenen Automobilen geprägt.

Als sich geschlossene Karosserien im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts etablieren, bieten die Karosseriebauer neben Limousine und Coupé mit festem Aufbau nun auch das Landaulet an – und das Kabriolett mit einem komplett zu öffnenden Verdeck. Kennzeichen dieses Wagentyps sind bereits in den 1920er Jahren eine sportliche und elegante Silhouette sowie die Möglichkeit, den Wagen oberhalb der Türoberkanten völlig zu öffnen. In geschlossenem Zustand ähnelt die Seitenlinie des Kabrioletts jener des Coupés. Und heute bauen die meisten Cabriolets denn auch auf Coupé-Karosserien auf.

Eine Brücke zwischen Tourenwagen und Limousine

Das technische Wunderwerk Automobil findet bis1900 zu seiner modernen Form. Vorbei ist die Epoche jener frühen Konstruktionen, deren Erscheinungsbild sogar Carl Benz selbst im Jahr 1925 mit einem „vorn abgebrochenen Kutschwagen“ vergleicht: Der Kraftwagen wächst in die Länge, sein Schwerpunkt senkt sich. Mit steigender Geschwindigkeit verlangt die Kundschaft aber auch nach einem Schutz vor Wind und Wetter, der über die Kutschverdecke der ersten Automobile hinaus geht.

Neben Tourenwagen und Phaeton treten nun die geschlossenen Karosserieformen Limousine und Coupé sowie das Landaulet. Das Cabriolet schlägt von den 1920er Jahren an eine Brücke zwischen diesen beiden Interpretationen des Automobils: Sein Verdeck lässt sich so weit öffnen wie das eines Tourenwagens. Allerdings ist es in Material und Tragstruktur so stabil ausgeführt, dass der Fahrkomfort in geschlossenem Zustand jenem einer Limousine gleichkommt.

Zur Auswahl stehen für die Kunden dieser Zeit eine ganze Reihe verschiedener Cabriolet-Typen. Denn Fahrzeughersteller und Karosseriebauer kennen die moderne Problematik nicht, dass aus Gründen der Karosseriesteifigkeit die Bodenkonstruktion verstärkt werden muss: Während die selbsttragende Karosserie nach einer aufwändigen Sonderkonstruktion für das Cabriolet verlangt, sind bis zum Zweiten Weltkrieg Fahrgestelle mit Rahmen üblich, auf denen ganz nach Wunsch verschiedene Karosserien aufgebaut werden können. Bei Mercedes-Benz gibt es freilich in einigen Baureihen Rahmenprofile unterschiedlicher Stabilität, je nach Karosserieaufbau.

Eine Sonderform und kein Cabriolet im engen Sinn ist der Tourenwagen mit Aufsatz, den es in der ersten Hälfte der 1920er Jahre bei der Daimler-Motoren-Gesellschaft gibt: Der sechssitzige Tourenwagen erhält – ähnlich dem heutigen Hardtop – einen Aufbau, der einen festen Wetterschutz wie in einer Pullman-Limousine bietet.

Von A bis F: Das Cabriolet-Alphabet

Cabriolets gibt es bald in zahlreichen verschiedenen Typen. Um diese Vielfalt durchschaubar zu machen, entsteht im Hause Daimler-Benz eine Klassifizierung von sechs gängigen Cabriolet-Typen, die mit den Buchstaben A bis F gekennzeichnet werden. Gemeinsam ist ihnen das gefütterte und mit einem Gestänge stabilisierte Allwetter-Klappverdeck aus Stoff, das bei den Versionen D bis F in schwererer Qualität ausgeführt ist als bei den Typen A bis C. Bei Cabriolets von Mercedes-Benz ist bis in die 1950er Jahre hinein außerdem die Unterstützung der Verdeckmechanik durch ein von außen sichtbares, so genanntes Landau-Gestänge üblich.

  • Das Cabriolet A ist ein zweitüriger, meist zweisitziger Wagen. Sein Verdeck reicht bis an die Türen heran.
  • Das Cabriolet B hat ebenfalls zwei Türen, bietet jedoch vier Sitze und Seitenfenster für die hinteren Passagiere.
  • Das Cabriolet C gleicht in der Anordnung von Türen und Sitzen dem Cabriolet B, allerdings fehlen hier die hinteren Seitenfenster.
  • Das Cabriolet D ist ein viertüriger Wagen mit vier oder fünf Sitzen und schwererem Verdeck.
  • Das sehr seltene Cabriolet E hat sechs Sitze und ebenfalls das schwerere Verdeck. Das Cabriolet F gleicht dem Typ E, hat jedoch zusätzlich Seitenfenster hinter den Hintertüren. Beide haben vier Türen.

Die große Bandbreite der Ausführungen wird zumindest in der Serienfertigung selten von einer einzigen Baureihe komplett abgedeckt. So sind zum Beispiel die sechssitzigen Varianten E und F automatisch großen, repräsentativen Fahrzeugen vorbehalten. Außerdem gilt es für den Hersteller, die Zahl der Varianten bei Autos mit Serienkarosserie übersichtlich zu halten. Als Sonderanfertigung im Werk und vor allem als individuelle Karosserien unabhängiger Fahrzeugbauer, beispielsweise bei Balzer, Castagna, D’Jeteren & Frères, Farina, Geissberger, Hibbard & Darrin, Neuss, Papler, Saoutchik, Tschau und Van den Plas, entstehen allerdings bis in die 1950er Jahre hinein zahlreiche außergewöhnliche Cabriolets als Einzelstücke.

Mit offenem Verdeck in die Fusion

Die Daimler-Motoren-Gesellschaft bietet bereits die Mercedes-Typen 15/70/100 PS und 24/100/140 PS aus dem Jahr 1924 als viersitzige Cabriolets und offene Tourenwagen an. Diese Modelle werden nach der Fusion mit Benz & Cie. zur Daimler-Benz AG im Jahr 1926 als Mercedes-Benz Typen weitergeführt. Mit ihrer steil stehenden Windschutzscheibe verströmen sie noch nicht den Charme der eleganten Sportlichkeit, nur die voluminösen Falten des Verdecks im Heck unterscheiden sie von den rauen Tourenwagen.

Doch bereits die Cabrio-Versionen des Typ 8/38 PS (W 02) entwickeln eine eigene Formensprache. Vor allem das zweisitzige Cabriolet A punktet durch pfiffige Sportlichkeit in Verbindung mit Praktikabilität durch den guten Wetterschutz. Während dieser Typ auch als zweitüriges Cabriolet mit vier Sitzen zu haben ist, bietet
Mercedes-Benz den Typ 12/55 PS (W 03) und seine direkten Nachfolger bereits mit drei verschiedenen Karosserieformen als Cabriolet aus Werksfertigung an. Zwischen dem eher bürgerlich-stattlichen Viertürer und dem vergleichsweise rassigen Zweisitzer mit knapp geschnittenem Verdeck öffnet sich bei dieser Baureihenfamilie ein Blick auf die ganze Bandbreite der Varianten, mit denen das Thema Cabriolet in den kommenden Jahren interpretiert werden wird.

Die legendären Typen S, SS und SSK sind Tourensportwagen. Mercedes-Benz selbst bietet dabei die Typen S und SS von 1926 bis 1934 als zweitüriges, viersitziges Sport-Cabriolet an. Würde nicht die atemberaubend lange Motorhaube diesen Wagen von seinen Zeitgenossen abheben, könnte man ganz nüchtern von einem Cabriolet C dieser auf den Rennsport und die sportliche Fahrkultur zugeschnittenen Baureihe sprechen. Wer von 1928 an auch den Typ SSK als Cabriolet karossiert haben möchte, muss sich allerdings an eine der noblen Werkstätten wenden, die sich auf entsprechende Aufbauten spezialisiert haben, denn ein SSK-Cabrio gibt es in der Mercedes-Benz Modellliste nicht. Das Segment der offenen Tourenwagen decken die Typen 15/70/100, 24/100/140 und der K ab.

Cabriolets in allen Dimensionen

Mercedes-Benz bietet in den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg so gut wie alle Baureihen auch als Cabriolet an. Der Typ Stuttgart 200 ist in den Versionen A, B und C zu haben, der Stuttgart 260 dazu auch noch als Cabriolet D. Den Typ Mannheim gibt es als Cabriolet C und D, das besonders sportlich gezeichnete Zweisitzer-Cabrio A wird als „Sport-Cabriolet“ angeboten. Mercedes-Benz Chronist Werner Oswald hebt in seiner Markengeschichte den hohen Stellenwert hervor, den die dynamische Ästhetik bei diesen Fahrzeugen gegenüber der tatsächlichen Leistung hat: „Diese Autos waren keineswegs sonderlich schnell oder leistungsstark, und der Einstieg bei geschlossenem Verdeck erforderte akrobatische Gelenkigkeit, aber die Linienführung war so hinreißend schön, dass ihretwegen schon viele Leute gern zu anderweitigen Verzichten bereit waren“.

Selbst die Repräsentationsfahrzeuge vom Typ 770 „Großer Mercedes“ (W 07) gibt es als Cabriolets B, C, D und F, dazu kommen Sonderaufbauten wie das zweisitzige Cabrio von Auer. Bei der Baureihe W 150, der zweiten Version des Typ 770, beschränkt sich Mercedes-Benz dann in den Jahren von 1938 an auf die absoluten Repräsentationsvarianten in Gestalt der Cabriolets D und F. Letzteres ist mit einem Listenpreis von 47 500 Reichsmark die teuerste Ausführung des W 150. Lediglich ein Einzelstück eines Cabriolet B der Baureihe W 150 ist bekannt.

Dieselzünder mit Frischluft-Zufuhr

Unterschiede bei den Cabriolets von Mercedes-Benz gibt es in den 1930er Jahren aber nicht nur hinsichtlich der Karosserie. Auch unter der Motorhaube werden die Wagen mit dem Klappverdeck differenziert. So ist der Typ 260 D (W 138) seit der Übernahme der neuen Karosserie des Mercedes-Benz 230 im Jahr 1937 nicht nur als Limousine und Pullman-Landaulet erhältlich, sondern auch als Cabriolet B und Cabriolet D.


Dieselkraft mit Frischluftgarantie: Den ersten Diesel-Personenwagen der Welt, den Mercedes-Benz 260 D, gibt es auch als Cabriolet.
Foto: Daimler AG

Einen Eindruck, wie sich die Karosserieversionen innerhalb einer Baureihe verteilen, gibt der Typ 380: Von 1932 bis 1934 werden 54 Cabriolet B, 44 Cabriolet C und 16 Cabriolet A von Mercedes-Benz mit Sindelfinger Karosserien eingekleidet. Dem stehen im gleichen Zeitraum nur elf offene Tourenwagen, sieben Roadster und sechs Limousinen des gleichen Typs gegenüber.

Mit dem Cabriolet ins Wirtschaftswunder

Auch den Typ 170 V (W 136) bieten die Stuttgarter von 1936 an als Cabriolet A und B, außerdem als Cabrio-Limousine und als Roadster. Als nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs die Fahrzeugproduktion mit diesem weitgehend unveränderten Typ wieder anläuft, rollen aber keine 170 V Cabriolet mehr vom Band in Stuttgart. Diese Karosserieform hat sich endgültig als etwas Besonderes etabliert, die Limousine ist zur Standardausführung geworden. Lediglich für die Polizei entstehen in der vom Mangel geprägten Nachkriegszeit offene, eher karge Versionen der Baureihe W 136, die mit der Abkürzung OTP (Offener Tourenwagen Polizei) bezeichnet werden.

Erst der Typ 170 S (W 136 IV) ist von 1949 an als Cabriolet A und B zu haben. Diese offenen Automobile mit neuer Karosserie sind für die junge Bundesrepublik der Inbegriff des sportlich-luxuriösen Fahrens. Ihre elegante Linienführung wirkt aus heutiger Sicht wie eine Vorschau auf das so genannte Wirtschaftswunder der 1950er Jahre. Bereits nach zwei Jahren löst allerdings der Typ 220 (W 187) mit seinen Cabrio-Versionen den 170 S ab. Den Anspruch, ein außergewöhnliches, luxuriöses Automobil zu bieten, macht Mercedes-Benz bei diesem Typ bereits mit dem Preis deutlich: Ist die Limousine für 11 935 Mark zu haben, kostet das Cabriolet B bereits15 150 Mark und der feine Zweisitzer (Cabriolet A) 18 850 Mark. Die klassische Cabriolet-Kultur der Vorkriegszeit leuchtet noch einmal auf, als Mercedes-Benz im Jahr 1951 seine neue Repräsentationslimousine vorstellt, den Typ 300. Dieser ist auch mit einem Verdeck zu haben, und zwar als Cabriolet D – ein ausgesprochen stattliches Fahrzeug. Den Typ 300 S (W 188) dagegen bieten die Stuttgarter als Coupé, Cabriolet A und Roadster an.


Schöner Kragen am Heck: Mercedes-Benz 220 Cabriolet B der Baureihe W 187.
Foto: Daimler AG

Offen, sportlich, kultiviert: Die Mercedes-Benz SL-Tradition

1954 debütiert der Typ 300 SL als Coupé. 1957 wird er vom Roadster abgelöst. Dieser offene 300 SL ist der Urvater einer seither ungebrochenen Traditionsreihe. Denn die SL-Baureihenfamilie hat in mehr als 50 Jahren die Kultur des offenen Automobils mit Klappverdeck in der Modellpalette von Mercedes-Benz lebendig gehalten.


Roadster-Rot: Mercedes-Benz 300 SL Roadster der Baureihe W 198 II.
Foto: Daimler AG

Im Vergleich zum ursprünglichen Konzept des Roadsters mit seitlichen Steckscheiben und dünnem Verdeck sind die offenen SL-Typen vielmehr gelungene Kombinationen aus Sportlichkeit und automobiler Reisekultur. Sie stellen sich damit in die Tradition der fein gezeichneten Cabriolets A von Mercedes-Benz: offen, sportlich, kultiviert.

Noch ein anderer Mercedes-Benz Zweisitzer der 1950er Jahre trägt das Kürzel SL: Es ist der Typ 190 SL, abgeleitet von der Ponton-Baureihe W 120/121. Dieser schöne Roadster mit den Genen des Typ 190 setzt Maßstäbe für die formale Gestaltung offener Automobile seiner Epoche.

Die Idee des Cabriolets im 20. Jahrhundert

Mit der Baureihe W 180 kommen die Cabriolets von Mercedes-Benz ab dem Jahr 1954 in einer neuen Epoche an: Die selbsttragende Karosserie verlangt eine Abkehr von dem Brauch, eine Vielzahl verschiedener Cabriolet-Versionen anzubieten. Vielmehr ist das Ziel der Konstrukteure, einen offenen Reisewagen mit elegantem Design zu schaffen, der unter den Aspekten von Komfort und Fahrzeugsicherheit mit den Limousinen der Baureihe mithalten kann.


Offene Oberklasse: Mercedes-Benz Typ 220 S Cabriolet mit vorderer Stoßstange in der ersten Ausführung des Jahres 1956.
Foto: Daimler AG

Das verlangt vor allem konstruktive Maßnahmen, um die Steifigkeit der Cabrio-Karosserie der Typen 220 S (W 180) und 220 SE (W 128) mit ihrer gegenüber der Limousine um 120 Millimeter verkürzten Rahmenbodenanlage zu verbessern. Aber auch das Design des Klappverdecks ist neu: Haben die ersten Nachkriegs-Cabriolets der Typen 170 S, 220 und 300 sowie 300 S noch die typischen, außen liegenden Sturmstangen, kommt das 1955 auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt/Main vorgestellte Cabriolet A/C nun mit einem außen glatt gezeichneten Verdeck daher; es soll zwei Karosserievarianten abdecken, daher die Bezeichnung A/C. Äußerlich nähert sich damit das Dach des Cabriolets jenem der Roadster an. Die früher so strenge Aufteilung zwischen den beiden Karosserietypen fällt zwar nicht weg, aber beide Varianten rücken enger zusammen.

Cabriolets der Oberklasse

Die Stellung des Cabriolets als exklusive Karosserieform betont Mercedes-Benz auch in den Baureihen 111 und 112 von 1961 bis 1971: Die Typen 220 SEb und 300 SE basieren auf der Karosserie des Coupés und begeistern mit ihrer Interpretation eines Cabriolets der Oberklasse. So gelungen ist die Linienführung der offenen S-Klasse Vorgänger, dass die Cabriolets auch nach der Markteinführung der Baureihe W 108 weiter auf Basis des W 111 und W 112 gebaut werden.


Elegant und leistungsstark: Der Mercedes-Benz 280 SE 3.5 als Cabriolet.
Foto: Daimler AG

In der zehnjährigen Bauzeit bietet Mercedes-Benz fünf verschiedene Cabrio-Typen dieser Baureihen an: 220 SEb, 250 SE, 300 SE, 280 SE und 280 SE 3.5 – insgesamt entstehen in Sindelfingen 7013 Einheiten der fünf Cabriolets. Auf diese Generation folgt im Modellprogramm von Mercedes-Benz zunächst keine offene Oberklasse mehr: Es ist vielmehr der neue SL der Baureihe 107, der von 1971 an die Kultur des offenen Fahrens als Zweisitzer unter den Automobilen der Stuttgarter Marke pflegt.

Komfortabel Reisen mit sportlichem Anspruch und Klappverdeck

Die beiden ersten SL-Typen von Mercedes-Benz haben in den 1950er Jahren bereits die Möglichkeiten zur Interpretation der Roadster-Karosserie ausgelotet: Hier der 300 SL der Baureihe W 198 II, mit seinem charakteristischen Gitterrohr-Rahmen abgeleitet vom kompromisslosen Flügeltür-Sportwagen. Dort der 190 SL (W 121) als eleganter Reisewagen für zwei Personen mit einem komfortablen Verdeck.

Das Beste aus beiden Welten vereint die SL-Baureihe W 113 von 1963 bis 1971 in sich: Auf der einen Seite erbringt der Roadster beachtliche Fahrleistungen, auf der anderen Seite bietet er hohen Fahrkomfort für kultiviertes Reisen in einer elegant gestalteten Sicherheitskarosserie. Im Gegensatz zum klassischen Cabriolet ist für den Roadster allerdings speziell für die Schlechtwetterperiode von Spätherbst bis Frühjahr ein Hardtop als Wetterschutz vorgesehen. Dessen charakteristische Form mit dem nach innen gewölbten Hardtop-Dach verleiht der Baureihe ihren Beinamen „Pagode“; das Softtop ist, wie üblich, konvex geformt.


Offene Sicherheit: Béla Barényi, Pionier der Fahrzeugsicherheit, am Mercedes-Benz 280 SL. Wegen ihres eleganten und zugleich stabilen Hardtop-Dachs wird dieses Baureihe „Pagode“ genannt.
Foto: Daimler AG

Noch stärker entwickelt sich der neue SL der Baureihe 107 zum luxuriösen und leistungsstarken offenen Zweisitzer. Mercedes-Benz stellt den Roadster mit der internen Bezeichnung R 107 im Frühjahr 1971 vor. Er ist eng mit dem 1972 präsentierten SLC-Coupé verwandt. In diesem Fall leiten die Ingenieure jedoch den offenen Wagen nicht vom Coupé ab, sondern vielmehr ist umgekehrt der Roadster die Basis des geschlossenen Viersitzers.

Erst im Jahr 1989 löst die SL-Baureihe R 129 ihren erfolgreichen Vorgänger ab. Der neue Sportwagen überzeugt nicht nur durch sein ausgewogenes Design, sondern auch mit einer Reihe technischer Innovationen. Dazu gehört unter anderem die Premiere des automatischen Überrollbügels, der sich bei einem drohenden Überschlag in nur 0,3 Sekunden aufrichtet. Auch die Stabilität der offenen Karosserie haben die Mercedes-Benz Konstrukteure bei dieser SL-Generation weiter verbessert, ohne dabei die fließende Linienführung des offenen Sportwagens zu beeinträchtigen.

Ein Dach aus Stahl bringt die Idee des Coupés dem offenen Fahren näher

1996 revolutioniert Mercedes-Benz die Idee des offenen Fahrens durch den Mercedes-Benz SLK der Baureihe R 170: Das Klappverdeck des kompakten Sportwagens besteht aus Stahl, nicht aus Stoff. Die Entwickler sprechen deshalb von einem „Vario-Dach“, nicht mehr von einem Verdeck. Das stählerne Dach bringt dem offenen Sportwagen in geschlossenem Zustand viel vom Komfort eines Coupés. Es öffnet sich allerdings auf Knopfdruck in wenigen Sekunden hydraulisch der Weite des Himmels. Das erfolgreiche Konzept des Stahldach-Roadsters übernimmt im Jahr 2004 der Mercedes-Benz SLK der Baureihe R 171.


Familienfoto der offenen Typen: Das Cabriolet der Mercedes-Benz CLK-Klasse der Baureihe A 209 und Vorgängermodelle aus den Jahren 1956 bis 2003.
Foto: Daimler AG

Auch die 2001 vorgestellte SL-Baureihe R 230 besitzt ein versenkbares Stahldach mit gläserner Heckscheibe. In dem großen, leistungsstarken Sportwagen wird die ausgewogene Balance zwischen hohem Komfort sowie eleganter Silhouette in geschlossenem Zustand und dem fahrerischen Genuss bei geöffnetem Dach besonders eindrücklich spürbar.

Kein Verzicht auf das klassische Stoffverdeck

Mercedes-Benz setzt mit den innovativen Dachkonstruktionen aus Stahl und Glas in SL und SLK Maßstäbe für die Technik offener Automobile im 21. Jahrhundert. Dabei verlieren die Designer und Konstrukteure jedoch nicht die Tradition des klassischen Cabriolets mit Stoffdach aus dem Blick.

Dazu trägt auch die Kontinuität eines ganz besonderen Fahrzeugs bei: Seit 1979 sind die Geländewagen der G-Klasse auch als robuste Cabriolets erhältlich – die freilich in der Öffentlichkeit kaum als solche wahrgenommen werden, weil eine offene Bauform ja durchaus typisch ist für Geländewagen.

Diesen klassischen Ansatz verfolgt Mercedes-Benz nach einer Pause von 20 Jahren erst wieder im September 1991: Damals erscheint ein viersitziges Cabriolet auf Basis des Coupés der Baureihe 124. Dessen Karosserie wird für die offene Ausführung nicht nur verstärkt, sondern zudem mit aufwändigen konstruktiven Maßnahmen gegen Schwingungen geschützt.

So entsteht ein im besten Sinne klassisches Cabriolet, das erfolgreich eine andere Zielgruppe als die Käufer der offenen SL-Sportwagen anspricht. Die Tradition dieses Cabriolets der E-Klasse setzen nach dem Produktionsende der Baureihe 124 die offenen Versionen der CLK-Klasse fort, der A 208 (1998 bis 2003) und der A 209 (2003 bis 2009). Ende März 2010 erscheint schließlich das Cabriolet der E-Klasse – wieder mit einem klassischen Stoffdach.

Offen für neue Ideen

Das Fahren im offenen Wagen wird seit der Erfindung des Automobils immer wieder neu interpretiert. Was in den ersten Jahren schlicht üblich ist, gerät im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts zunehmend zum Bekenntnis für eine ausgeprägte Form des sportlich-kultivierten Fahrerlebnisses. Das Cabriolet ist die Karosserieform, die diesen Anspruch am besten erfüllt. Das gilt gerade für offene Fahrzeuge von Mercedes-Benz.

In der Geschichte der Marke hat sich das Cabriolet immer wieder weiterentwickelt – das betrifft die Technik genauso wie das Design und das Verständnis des Fahrzeugtyps in der kollektiven Wahrnehmung. Dennoch gibt es Konstanten. So erweisen sich Cabriolets stets als eine außergewöhnliche Form des Automobils, die sich seit den 1920er Jahren an der Schnittstelle zwischen Tradition, Eleganz, Luxus und der Faszination am ursprünglichen Gefühl des offenen Fahrens positioniert.


Faszinierende Variation eines klassischen Konzepts: Die Design-Studie Mercedes-Benz Concept Ocean Drive ist das komfortabelste und eleganteste Cabriolet seiner Zeit.
Foto: Daimler AG

Und Mercedes-Benz ist immer offen für neue Ideen für das Fahren ohne festes Dach. Das unterstreicht die E-Klasse mit ihrem viersitzigen Cabriolet. Und im Januar 2007 begeistert die Mercedes-Benz Studie „Ocean Drive“ auf der North American International Auto Show in Detroit. Das viertürige Cabriolet auf Basis des Mercedes-Benz S 600 interpretiert auf faszinierende Weise die klassische Idee des großen, luxuriösen Wagens mit Verdeck neu – ein Versprechen für die Zukunft des Cabriolets.